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Wie der Vater so der Sohn

Wie der Vater so der Sohn

Interview mit Prof. Dr. Tarek Sayed Tawfik

Bei Prof. Dr. Tarek Sayed Tawfik hat sich der Beruf und die Berufung des Vaters auf die nächste Generation vererbt. Sein Vater war ein weltberühmter Ägyptologe und Forscher, dessen Name auch heute noch in Ägypten mit Ehrfurcht genannt wird. Und sein Sohn? Auch er ist im »Who is Who« der berühmtesten Archäologen Ägyptens verzeichnet. Er leitete als Generaldirektor den Aufbau des größten Museumsprojektes der Welt!
Wir freuen uns außerordentlich, dass wir Ihnen eine Reise anbieten können, die von Prof. Tawfik begleitet wird und bei der Sie von seinem großen Insiderwissen profitieren werden.
 
Mehr über diesen besonderen Menschen erfahren Sie im nachfolgenden Interview:

Herr Professor Tawfik, neben Ihrer Lehrtätigkeit an der Universität in Kairo – an welchem Forschungsgebiet arbeiten Sie aktuell?
Neben intensiver Lehrtätigkeit in den Gebieten der Ägyptologie, der Museologie und in Heritage Management, bin ich als stellvertretender Direktor der Ausgrabungen der Universität Kairo in Sakkara tätig. Es handelt sich dabei um die Nekropole der Hohen Beamten aus der Ramessidenzeit, die südlich des Aufweges zur Unas Pyramide in tempelähnlichen Gräbern bestattet wurden. Des Weiteren bin ich Mitglied des Komitees für die Szenarien der Neuen Museen in Ägypten und Vizepräsident der »International Association of Egyptologists«.

Der Glaube führt Menschen zu großen und unvorstellbar erhebenden Taten.

In Ihrer Dissertation setzen Sie sich mit dem »Totenbuch«, dem wichtigsten Bestandteil des Jenseitsglaubens der alten Ägypten auseinander. Warum haben Sie gerade dieses Thema gewählt?
Ich habe mich hauptsächlich mit der Vignette zum Totenbuch Kapitel 1 beschäftigt. Diese Vignetten-Darstellungen zeigen den Bestattungszug des Verstorbenen zu seinem Grab, die Riten, die dabei durchgeführt wurden und das erhoffte Wiederauferstehen nach dem Tod. Die Entwicklung dieser Vignette über eine lange Zeitspanne von der 18. Dynastie bis in die Zeiten der Griechen und Römer in Ägypten hat mich fasziniert. Auch die Tatsache, wie sehr sich Text und Bild im Totenbuch ergänzen, bzw. Vergleiche zu Bestattungszug-Darstellungen in Gräbern anzustellen, hat mich gefesselt.

Welche Erkenntnisse haben Sie für sich selbst daraus gezogen, die in Ihrem Leben Anwendung finden?
Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat mein Verständnis für die Denkweise und die Jenseitsvorstellungen der Alten Ägypter vertieft und mich sehr berührt. Meine Haupterkenntnis aus der Auseinandersetzung mit dem Totenbuch war zum einen die Erkenntnis, wie wichtig der Glaube für die Menschen ist, und zum anderen, dass der Glaube die Menschen zur Erfüllung von unvorstellbar großen und erhebenden Taten verhilft und dass diese Taten und Hinterlassenschaften über die Jahrhunderte hinaus nicht an Wirkung verlieren.

Das Wirken meines Vaters erfüllt mich noch heute mit großem Stolz.

Sie sind mit ihrer Berufswahl in die Fußstapfen Ihres berühmten Vaters getreten. Hat er Ihre tiefe Leidenschaft und Liebe zur Archäologie geweckt? Auf welches seiner Forschungsergebnisse schauen Sie heute mit besonderem Stolz und wo knüpfen Sie an seine Arbeit an?
Mein Vater war und ist ein Vorbild für mich. Seine Leidenschaft für die Ägyptologie ist in mich übergegangen. Schon als Kleinkind, während ich mit Eimer und Schaufel bei den Pyramiden spielte, wollte ich wie mein Papa Archäologe werden. Seine Ausgrabungen in Sakkara haben Weltruhm erreicht. 36 Gräber Hoher Beamter, hauptsächlich aus der Zeit von Ramses ll, hat er entdeckt. Heute, 30 Jahre nach seinem leider viel zu frühen Versterben, führe ich seine Ausgrabungen weiter. Das tun zu können, erfüllt mich mit großem Stolz. Ich denke, in der Verbindung zum Tun meines Vaters dort, führe ich seine Arbeit in Sakkara mit so großer Leidenschaft fort.

Das Interesse am GEM ist außergewöhnlich hoch. Schon während der Bauphase führten Sie als Generaldirektor viele hochrangige Besucher, wie z.B. die japanischen, portugiesischen und italienischen Premierminister durch die Ausstellung.
Es sind auch hochrangige Politiker aus Deutschland gekommen. Ich erinnere mich an Herrn Peter Altmaier und Herrn Sigmar Gabriel, die ich durch das Museum führen konnte. Dass sie dies noch während der Entstehung des Gebäudes taten, spiegelt das große internationale Interesse wider.

Was denken Sie, macht die große Faszination der Menschen auf der ganzen Welt für die Kulturschätze das Alten Ägypten aus? Was können wir in der heutigen Zeit aus der Beschäftigung mit einer Jahrtausendealten Kultur an Erkenntnissen gewinnen?
All diese Gäste standen fasziniert und begeistert in den Restaurationslaboren und vor der Kolossalstatue von Ramses II. und damit vor einer jahrtausendealten menschliche Kultur, die es schafft, die Menschen bis zum heutigen Tag zu begeistern, in ihrem Interesse zu einen und zu damit auch zu verbinden. Das ist das größte Geschenk, das uns die Alten Ägypter damit hinterlassen haben.

Das magischste Exponat ist für mich die Maske des Tutankhamun.

Gibt es unter den Zehntausenden von Exponaten ein Stück, das Sie besonders fasziniert und berührt?
Wenn Sie mich nach dem Exponat fragen, das mich besonders fasziniert, dann kann ich nur sagen: „Die Maske des Tutankhamun bleibt das magischste Exponat für mich“.
Lange habe ich versucht, mich für ein anderes Artefakt zu entscheiden, aber die Maske mit der Ausstrahlung ewiger Jugend und der Rötungen in den Augenwinkeln, die dennoch das Drama im Leben des Tutankhamun verraten, bleibt das unumstrittene Meisterwerk Altägyptischer Kunst. Ich habe viel Zeit damit verbracht, die neue Ausstellungsweise der Maske so zu konzipieren, dass sie ihrer Schönheit und Magie gerecht wird.

Im größten Museum der Welt ist Platz für 45.000 Exponate.

Im GEM soll die altägyptische Geschichte mit mehreren Zehntausenden von Stücken dokumentiert werden. Gibt es einen Überblick über die Gesamtmenge der vorhandenen Fundstücke? Mit jeder neuen Ausgrabung und Entdeckung kommen neue Erkenntnisse und Funde hinzu.
Etwa 25.000 Artefakte werden vorerst ausgestellt. Das GEM kann in der Zukunft dann noch doppelt so viele Artefakte aufnehmen und ausstellen. Ich bin außerordentlich glücklich, dass sich meine Vision, zum ersten Mal den kompletten Tutankhamun mit all den über 5.400 Objekten aus seinem Grab auszustellen, tatsächlich verwirklicht hat. Von den weiteren rund 20.000 Artefakten werden etwa die Hälfte zum ersten Mal ausgestellt.

Nach welchen Kriterien wird die Auswahl getroffen, ob ein Exponat der Öffentlichkeit präsentiert wird oder doch im Archiv verbleibt?
Viele dieser Stücke stammen aus neueren Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte, die in Magazinen im ganzen Land aufbewahrt wurden und jetzt professionell und vorsichtig in das GEM transportiert wurden.

Wie können solche neuen Funde in das bisherige Museumskonzept eingebunden werden?
Die Identität des Museums: »Staatentstehung, Königtum und Ewigkeit«, erlauben es, jeden neuen Fund in das Ausstellungskonzept des GEM mit einzubinden.

In einer auseinanderdriftenden Welt muss der Dialog ein zentrales Thema sein.

Sie sind Mitglied der »Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities« in Berlin. Ich habe gelesen, wie wichtig es Ihnen ist, den Dialog zwischen Kulturen und Religionen zu fördern. Wie kann ich mir diese Förderung ganz konkret vorstellen? Könnten Sie unseren Lesern eines Ihrer aktuellen Projekte kurz vorstellen?
Heute, in einer Zeit, in der die Weltgesellschaft wieder auseinanderdriftet, muss der Dialog zwischen Kulturen und Religionen wieder ein zentrales Thema und ein Hauptanliegen sein. Kulturerbe ist etwas, das verbindet, zur gleichen Zeit aber auch an schlimme historische Ereignisse erinnert und uns damit mahnt, daraus Erkenntnisse zu ziehen und diese Erkenntnisse auch in unserem täglichen Tun umzusetzen.
Die »Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities« in Berlin bringt junge Wissenschaftler aus der gesamten arabischen Welt und aus Deutschland zusammen, um weltoffen an Projekten gemeinsam zu arbeiten und vor allen Dingen zusammenzuarbeiten. Mit Kollegen der Akademie arbeite ich an Projekten, die dem Erhalt von Weltkulturerbe sowie der leichtverständlichen, objektiven Übermittlung historischer Erkenntnisse an ein breites Publikum dienen.
In Zusammenarbeit mit dem DAAD bringe ich Nachwuchs-Ägyptologen aus Ägypten und Deutschland in Projekten zusammen, um Brücken des gegenseitigen Verständnisses und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu bauen.

Wie wurde in Ihrem ägyptisch-deutschen Elternhaus der Dialog zwischen den beiden Kulturen und Religionen gelebt?
Mein Elternhaus hat mir ein wunderbares gelebtes Beispiel des Dialogs zwischen zwei Kulturen gezeigt. Dies war und ist eine unschätzbare Bereicherung meiner Persönlichkeit und meines Lebens.

Das Thema Corona ist in der momentanen Zeit allgegenwärtig. Wie erleben Sie Ägypten in Zeiten von Corona?
Die Pandemie trifft natürlich auch das Leben in Ägypten hart, dennoch halten sich die Ägypter erstaunlich gut an die Vorsichtsmaßnahmen und Maskenpflicht. Als Überlebenskünstler finden wir Ägypter jedoch Wege auch in diesen schweren Zeiten Läden und Restaurants weiterhin zu betreiben und mit Geduld das Ende dieser Plage abzuwarten.

Lieber Herr Prof. Tawfik, wir bedanken uns ganz herzlich, dass Sie sich Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten und freuen uns sehr darüber, dass unsere Gäste den Jahreswechsel zusammen mit Ihnen in Ägypten verbringen können!

Hier geht es zur Reise mit Prof. Tawfik.